Eine Tour der Sinne über die Orkneys
"The Standing Stones of Stenness" geben immer noch Rätsel auf
Robert B.Fishman, 2009
Auf den Orkney-Inseln zwischen Nordsee und Atlantik leben Bauern, Fischer und Künstler. Die Inselgruppe besteht aus ca. 100 Inseln – die Hauptinsel Mainland bietet Touristen viel zu entdecken und pure Natur.
Es ist eine Reise für alle Sinne. Wer mit "Five Senses Tours" auf den Orkney-Inseln unterwegs ist, muss sich auch schon einmal in die Heide legen und lauschen. Schon vor Tausenden Jahren hätten die Menschen ihre Matratzen aus Heidekraut gemacht, erklärt Reiseleiter Malcolm. Bis vor kurzem hätten Großmütter den Kindern Heidekraut ins Kopfkissen gesteckt, wenn sie nicht schlafen konnten. Das habe sie beruhigt. "Du liegst hier, schaust nach oben und siehst die Wolken über den Himmel ziehen. Du fängst an, die Geräusche um dich herum zu hören und beginnst, dich zu entspannen", sagt Malcolm. Der Teppich aus lila-grünen Pflanzen sei weich und bequem wie ein frisch gemachtes Bett.
"Die Natur gibt uns hier alles, was wir brauchen", sagt Malcolm. Er hebt eine Muschelschale am Wegesrand auf, pflückt einen Brennnesselhalm und schält ihn. Die so freigelegten weißen Fäden legt er in die Auskerbungen der Muschelschale. "Eine Lampe: Wenn du Öl hineinschüttest, brennt sie lange", erklärt er.
Das Geheimnis der Steine
Weiter unten im Tal stehen bis zu acht Meter hohe Steine im Kreis: „The Standing Stones of Stenness“. Sie gehören gemeinsam mit den Steinen vom "Ring of Brodgar", dem Hügelgrab "Maeshowe" gleich gegenüber und dem Steinzeitdorf "Scara Brae" zum Weltkulturerbe. 5000 Jahre sind sie alt und ihre Geheimnisse sind bis heute nicht gelüftet. "Achte auf meine Stimme: Die Steine werfen sie als Echo zurück. Inzwischen hat man herausgefunden, dass diese Steine nicht zufällig so stehen. Sie wurden so angeordnet, dass sie an dieser Stelle ein Echo zurückwerfen", sagt Malcolm.
Auch der Engländer Chris staunt immer wieder über diese geheimnisvolle Atmosphäre der Steinkreise. "Ich empfinde hier Ehrfurcht. Hier erlebe ich so etwas wie einen Seelenfrieden. Ich verstehe die Religion der Menschen, die das hier gebaut haben nicht, aber hier zu sein beruhigt mich." Chris ist wie der Waliser Malcolm auf die Insel gezogen - und will nie wieder weg. Zwei Jahre lang war Chris nicht mehr auf dem "Festland", wie Großbritannien hier heißt. "Zu viele Menschen, zu viele Autos, zu viel Stress", sagt er und spricht seinen Mitinsulanern aus der Seele. Die Orkney-Inseln sind einfach ein Ort der Entschleunigung.
Hören Sie diesen Reise-Beitrag in unserer Sendung Fokus Europa - Das Magazin "Reisen und Genießen" (mehr...) am 28.08.2009.


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