Jobmotor mit Wachstums-Turbo
Deutschland ist in vielen Bereichen rund um die Erneuerbaren Energien Weltmarktführer. Staatliche Subventionen und eine gezielte unternehmerische Tätigkeit haben so zu einem beispiellosen Jobaufbau geführt – und so zu einem Wachstum von 332 Prozent.
Es waren goldene Jahre für die Erneuerbaren Energien in Deutschland. Was seit 1998 in dem noch jungen Wirtschaftssektor geschehen ist, sucht seines gleichen: innerhalb von nur zehn Jahren hat sich die Zahl der Beschäftigen glatt vervierfacht, auf 2008 dann 285.000.
Bis 2010 Anteil verdoppeln
Mit der Energie aus Wind, Sonne, Biomasse, Geothermie und Wasserkraft werden heute rund 15 Prozent des gesamten Strombedarfs in Deutschland gedeckt, acht Prozent der benötigten Wärme produziert und sieben Prozent aller gefahrenen Verkehrskilometer angetrieben.
Glaubt man Branchenvertretern wie Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien, dann wird der Ausbau der Erneuerbaren hier nicht stehen bleiben. „Was unsere Branche zu einer extrem dynamischen Branche macht, oder zu einer Leitbranche, ist die Ausbauerwartung der Erneuerbaren Energien“, so Mayer. Heute würde jede zehnte Kilowattstunde aus Erneuerbaren Energien produziert – sei dies für den Strom-, für den Wärme- oder für den Verkehrsbereich. Dieser Anteil müsse bis zum Jahr 2020 zumindest verdoppeln werden. Das sei das offizielle Regierungsziel.
Wachstum erwartet
Die Branche erwartet noch ein viel stärkeres Wachstum, was sich wiederum auch in den dadurch entstehenden Jobs widerspiegeln soll. 2020 könnten so 500.000 Menschen in der Branche arbeiten. Auch wenn die im Moment diskutierte Reduzierung staatlicher Subventionen in Deutschland die Dynamik der Erneuerbaren Energien etwas dämpfen dürfte, der generelle Trend wird auch von Kritikern nicht angezweifelt. Denn die Erneuerbaren Energien passten sich gut ins deutsche Industriegefüge ein, so Jörg Mayer. „Unsere ganze Wirtschaft ist exportorientiert. Und so ist es auch im Bereich der Erneuerbaren Energien. Durch die frühzeitige Förderung haben die Unternehmen es heute schon geschafft, Exportquoten von etwa 70 und 80 Prozent zu erreichen.“ Die meisten Windräder, die in Deutschland gebaut werden, würden danach ins Ausland geliefert. So sei die Brance eine Leitbranche in Deutschland und gleichzeitig auch eine Exportbranche.
Verantwortung für die Region
Oft sind es gerade Firmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien, die in wirtschaftlich zurückgebliebenen Regionen neue Jobperspektiven schaffen.
So auch in der 12000-Einwohner-Stadt Bischofswerda am südlichsten Zipfel Ostdeutschlands. Auf grünem Brachland entstand hier am Ortsrand die neue Solarzellenfabrik des kanadischen Herstellers ARISE Technologies. Allein in den ersten Monaten wurden 130 neue Mitarbeiter eingestellt – davon zehn Ingenieure. Der niederländische Geschäftsführer Sjouke Zijlstra ist sich seiner Verantwortung für eine ganze Region bewusst. „Generell glaube ich, sind wir der Hoffnungsträger schlechthin“, so Zijlstra. Demnächst werde man die größte Firma in Bischofswerda sein.
Während die Solarbranche vor allem viele Regionen in Ostdeutschland wirtschaftlich wiederbelebt hat, werden Windkraftanlagen meist dort produziert, wo in Deutschland die größten Windstärken erreicht werden: an Nord- und Ostsee. Biogasanlagen finden sich dezentral über das ganze Land verstreut, wobei vor allem die landwirtschaftlich starken südlichen Bundesländer hier Jobs oder einen Nebenerwerb für Landwirte geschaffen haben.
Dranbleiben, um dabei zu sein
Doch der Jobmotor Erneuerbare Energien ist auch an einem High-Tech-Standort wie Deutschland kein Selbstläufer. Diese Erfahrung hat man bei Würth Solar im süddeutschen Schwäbisch Hall gemacht. Hier produziert man nicht einfach nur die üblichen blau-schimmernden Silizium-Solarzellen. Das experimentierfreudige Unternehmen hat mit neuen Halbleiter-Materialien experimentiert und dünnere Solarzellen an den Markt gebracht. Das High-Tech-Produkt soll die Branche langfristig revolutionieren.
Doch die weltweite Konkurrenz schläft nicht, vor allem in China entstehen vollautomatisierte Solarzellenfabriken, die dem Exportweltmeister Deutschland bald den Rang ablaufen könnten, gibt auch Geschäftsführer Karl-Heinz Groß unumwunden zu. „Wir haben einen Know-How-Vorsprung von etwa 18 Monaten, der, wenn wir etwas in der Geschwindigkeit nachlassen, natürlich kleiner wird.“
Ein Nachlassen bei Forschung und Entwicklung könnte der Erneuerbaren Energienbranche also nicht nur ihren Titel als Branchenprimus kosten, sondern auch eine ganze Menge zukunftsfähiger Jobs.




