Märchenprinzessin aus Kroatien
Mila Pavićević ist noch keine 22 Jahre alt. Mit 15 schrieb sie ein Märchenbuch, das ein Jahr später veröffentlicht wurde. In Kroatien hat sie bereits mehrere Literaturpreise erhalten. Im letzten Jahr bekam sie als einzige Autorin aus einem Nicht-EU-Land den Europäischen Literaturpreis.
Mit ihren roten Locken und dem blauen Kleidchen sieht die junge Kroatin fast aus, als wäre sie einem Märchen entsprungen. Ein wenig verträumt betrachtet sie die Häuser und Menschen in der Bonner Innenstadt. Um aus ihrem preisgekrönten Buch "Djevojcica od leda i druge bajke" ("Ice Girl and other fairy tales") zu lesen, kam sie im März hierher.
Eigentlich schreibt sie Gedichte. Aber Märchen hat sie schon als Kind gerne gemocht. Und schließlich seien Märchen auch etwas für Erwachsene, meint Mila Pavićević: "Wenn man als Erwachsener Märchen liest, entdeckt man darin Dinge, die man als Kind gar nicht gesehen hat, die auch gar nicht für Kinder gedacht sind. Es gibt viele Interpretationen. Und das gefällt mir so."
- Erfahren Sie mehr über Mila Pavićević in unserem Euranet-Video. Wir haben die Autorin in Bonn getroffen.
"Jedes Mal, wenn ein Clown stirbt, verwandelt sich seine rote Nase in einen Stern"
In ihren Märchen kommt es häufig vor, dass die Hauptfigur am Ende stirbt. Das sei aber nicht unbedingt wörtlich zu nehmen, so Mila Pavićević: "Ich sehe das nicht als einen echten Tod. Im Märchen kann man nicht wirklich sterben. Dieser melancholische Ton ist in fast allen meinen Geschichten zu finden. Aber in meinem Buch gibt es auch Märchen, die gut enden."
Die Autorin glaubt nicht, dass Kinder solche Geschichten gruselig finden. Wenn die Charaktere in ihren Märchen sterben, gehe es ihnen danach gut, weil sie an einen glücklicheren Ort kämen. "Der Clown kann sich endlich von seinen Scherzen erholen, die für ihn sehr anstrengend waren", erklärt sie. Er findet am Ende Ruhe im "Land des Mondes", seine rote Nase fliegt hoch zu den Sternen und ist seitdem der hellste Punkt am Horizont.
Eine leidenschaftliche Leserin
Mila Pavićević hat angefangen, Geschichten zu schreiben, sobald sie lesen und schreiben konnte. "Ich fühlte, dass es für mich das Richtige war. Ich wollte schon immer Schriftstellerin werden", erzählt sie. "Ich liebte es zu lesen, und da war es für mich nur logisch, dass ich auch schreibe." Und auch heute noch verschlingt sie Bücher aus aller Welt, denn sie studiert in Zagreb vergleichende Literaturwissenschaften und Griechisch. In diesem Jahr macht sie ihren Bachelor-Abschluss. Neben dem Studium findet sie aber immer noch genügend Zeit zum Schreiben.
Große Chancen für die europäische Literatur
Den Europäischen Literaturpreis 2009 zu bekommen, kam für Mila Pavićević aus heiterem Himmel. Sie lief durch die Straßen, als ihr Handy klingelte und ein kroatischer Journalist ihr mitteilte, dass sie den Preis gewonnen hatte. Und das, obwohl Kroatien noch nicht in der EU ist. Alle anderen Preisträger kommen aus EU-Mitgliedsstaaten.
Sie freut sich sehr über diese Ehrung und betont die enorme Bedeutung, die dieser Preis hat. Er sei ein wichtiger Schritt, um den Austausch der europäischen Literatur zu fördern und andere Menschen und Länder kennenzulernen:
"Die 12 Autoren aus 12 verschiedenen Ländern, die den Preis im letzten Jahr bekommen haben, kannten sich alle nicht untereinander. Obwohl es unser Beruf ist, uns mit zeitgenössischer Literatur zu beschäftigen, hatten wir noch nie voneinander gehört."
Und noch einen Effekt hatte diese Auszeichnung für Mila Pavićević: Ihr Märchenbuch wurde bisher noch nicht in andere Sprachen übersetzt - das wird sich demnächst ändern.




