Breakdance ist mehr als nur ein Sport
"Enemy Squad" beim Auftritt
Foto: Christian Erdei
Im sozialistischen Ungarn waren Breakdancer die Geächteten der Gesellschaft. Heute sind sie Stars auf der Bühne und tanzen auf Meisterschaften. Doch bei Breakdance geht es um mehr als nur Tanzen und Wettbewerbe.
Sie drehen sich auf ihrem Kopf um die eigene Achse, springen durch die Luft und machen Salti. Junge Männer und Frauen tanzen in einem Fitnessraum in Pécs. Sie sind Breakdancer. "In der Einheit liegt die Kraft! Es gibt 30 Leute im Saal, und wir alle denken das Gleiche von der Welt", sagt Szilárd Fülöp, der sich gerade mit Dehnübungen aufwärmt. Breakdance ist mehr als nur ein Sport oder Tanzstil. Es ist ein Element der Hip-Hop-Kultur so wie auch Rap, Scratch und Graffiti.
Kein Platz für Breakdancer
Szilárd Fülöp weiß, wovon er spricht. Der 40-jährige Ungar tanzte schon Breakdance, als Ungarn noch sozialistisch war. 1986 galten er und sein Freund Zsolt Nagy als Geächtete der Gesellschaft, erzählt Nagy. "Man hat uns komisch angeguckt, weil wir in Jogginghosen mit drei Streifen in Diskotheken erschienen sind. Wir waren die Rebellen im Sozialismus: Es gab Prügeleien und oft Probleme mit der Polizei."
Gemeinsam mit anderen Breakdancern wandten sie damals Ungarn und der Verachtung, die ihnen entgegengebracht wurde, den Rücken zu. Als "Enemy Squad" versuchten sie ihr Glück in Westeuropa. Die Jungs tanzten auf den Straßen in Amsterdam, Berlin und Paris. Damit verdienten sie so viel Geld, dass es zum Leben reichte.
Von der Straße auf die Bühne
Doch es blieb nicht bei Auftritten auf den Straßen. 1991 trat "Enemy Squad" zum ersten Mal auf der Breakdance-Weltmeisterschaft, auf dem "Battle of the Year" auf. Seitdem haben sie als Team dreimal die Silbermedaille geholt. Zoltán Filkóházi wurde sogar Weltmeister. Auf diese Auszeichnungen folgten Auftritte im Fernsehen, in Zirkussen und in Varietees.
Diese Welt des Glanzes und des Glamours haben die Breakdancer vor drei Jahren verlassen. "Ich habe Kinder und wollte nicht einen Monat in einer Stadt verbringen, dann eine Woche anderswo. Ich will nicht, dass meine Kinder so aufwachsen wie ich. Ich hatte keine ruhige Kindheit", sagt Szilárd Fülöp. Die Entscheidung war nicht einfach für ihn. "An einem Tag tanzt du auf der Bühne im Scheinwerferlicht vor 1000 Leuten in der Schweiz - und dann bist du plötzlich in einer ruhigen ungarischen Provinzstadt. Dann ging das Geld aus und jetzt arbeite ich als Zimmermann."
Keine Woche ohne Tanzen
Breakdance ist aber immer noch ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. "Die Gelenke und Muskeln tun mir weh, wenn ich eine Woche lang nicht tanzen gehe. Aber auch seelisch würde es weh tun, wenn ich damit aufhöre", sagt Fülöp. Die jungen Tänzer im Fitnessraum in Pécs respektieren ihn, auch wenn er doppelt so alt ist wie sie.
Um einen Nachfolger braucht Fülöp sich offenbar auch keine Sorgen zu machen: "Mein Sohn ist erst zwei Jahre alt, aber er will keine Zeichentrickfilme im Fernsehen gucken, sondern immer nur DVDs von Breakdance-Meisterschaften. Kann sein, dass ich ihn infiziert habe, er war ein paar Mal mit mir beim Training", erzählt Fülöp. "Vielleicht wird er eines Tages in meine Fußstapfen treten."
Mehr Informationen auf Euranet
Mehr Informationen im Web
- Die Homepages des Wettbewerbs "Battle of the Year"
- Am 18.04.2010 findet der "Battle of the Year" in Ungarn statt


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