Bulgarien in Rot-Weiß
Traditionelle Glücksbringer
Foto: Milkana Dehler
Wenn der Frühling in Bulgarien naht, stecken sich die Menschen rot-weiße Glücksbringer an die Kleidung. Dieser Brauch hat eine lange Tradition und wird in vielen Ländern auf dem Balkan gepflegt.
Wer im März durch bulgarische Städte und Dörfer geht, sieht nur noch rot-weiß. Viele Geschäfte bieten rot-weiße Martenizas, kleine Schmuckstücke, an und viele Menschen tragen die beiden Farben an ihrer Kleidung oder am Handgelenk. Die Marteniza ist in Bulgarien ein Symbol für den Frühling – und nicht nur das: "Die älteste Frau im Haus bindet am Abend vor dem 1. März einen roten und einen weißen Faden zusammen und bindet sie dann an die Hände der Kinder. Damit sollen sich geschützt werden", erklärt die Ethnologin Wera Kerelesowa vom Nationalen Historischen Museum in Sofia.
Schutz vor den bösen Kräften
Früher wurde alles, was für die Familie wichtig war, mit den rot-weißen Martenizas geschützt, in der Landwirtschaft auch Jungtiere und Obstbäume. Denn mit dem Frühling erwachen nicht nur gute, sondern auch böse Kräfte und Wesen wie beispielsweise Schlangen oder Flöhe.
Die rote Farbe habe eine besondere Schutzkraft, weil sie das Symbol der Sonne sei, sagt Kerelesowa. "In der alten Tradition ist sie auch die Farbe des Männlichen, der Kraft. Die weiße Farbe ist mit dem Weiblichen wie zum Beispiel mit der Unschuld der Braut verbunden."
Bis der Frühling kommt
Heute wünschen sich die Menschen vor allem Gesundheit, wenn sie sich das Marteniza anstecken. Viele Bulgaren tragen es an der linken Hand, denn diese Hand ist dem Volksglauben zufolge anfälliger für böse Kräfte, sagt Kerelesowa. Und sie liegt näher am Herzen.
In Bulgarien tragen die Menschen die Marteniza so lange, bis sie einen blühenden Obstbaum oder einen Vogel sehen. So verlangt es der alte Brauch. Dann hängen die Bulgaren ihre Glücksbringer an den Obstbaum, denn dort ist der Frühling schon angekommen.


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