Dänemarks Öl geht zur Neige
Die dänische Energieversorgung basiert hauptsächlich auf Öl, Erdgas, importierter Kohle und Windenergie. Der überwiegende Teil des Öls kommt aus dem dänischen Teil der Nordsee. Doch das schwarze Gold ist nicht unendlich verfügbar und die Ressourcen werden knapper.
Dänemark ist der drittgrößte Ölproduzent Westeuropas – nach Norwegen und Großbritannien. Die geförderten Mengen übersteigen bei weitem den eigenen Bedarf an Öl. Das Land holt den Energieträger aus den Tiefen der Nordsee. In Öl-Raffinerien auf dem Festland wird der Rohstoff dann weiterverarbeitet. Jahrelang haben sich die Dänen über die zusätzlichen Petrodollars in den öffentlichen Kassen gefreut. Inzwischen warnen Energieexperten aber davor, dass die dänischen Ölfelder bald erschöpft seien und das Land in gar nicht so ferner Zukunft dann Öl importieren müsse. Laut Klaus Illum, Dozent an der Alborg-Universität, reicht das Öl bei dem aktuellen Verbrauch noch für fünf bis zehn Jahre.
Die Ölquellen versiegen
Konkret gehen die dänischen Energiebehörden inzwischen davon aus, dass sich Dänemark nur noch bis zum Jahr 2018 mit Öl selbst versorgen kann. Dann müsse auf den internationalen Märkten eingekauft werden. Dänemark ist stark von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Steinkohle abhängig, wenngleich die Dänen im internationalen Vergleich eher wenig Energie verbrauchen, weil Schwerindustrie und andere energie-intensive Wirtschaftszweige fehlen. Dennoch gilt Dänemark als größter Emittent der klimaschädlichen CO2-Gase innerhalb der Europäischen Union. Wie sehr die Rohöl-Vorräte vor der dänischen Küste bereits erschöpft sind, habe sich bei der Bevölkerung allerdings noch nicht herumgesprochen, sagt Klaus Illum: „Man weiß, dass das Öl eines Tages zur Neige gehen wird. Aber dass wir schon über die Hälfte verbraucht haben, das ist nicht bekannt.“
Grönland als Rettungsanker
Abhilfe schaffen könnten neue Ölfelder in der Arktis. In Grönland, das als autonomer Teil zu Dänemark gehört, vermuten Experten riesige Ölfelder. Erste Bohr-Lizenzen wurden bereits versteigert. Noch liegen weite Teile der vermuteten Ölreserven unter tiefem Eis. Sollte aber der Klimawandel anhalten, könnte das Eis aufbrechen und dies die Förderung des Öls vereinfachen. Umweltschutzverbände haben allerdings bereits ihren Widerstand angekündigt und weisen darauf hin, dass die Arktis eine der sensibelsten Ökozonen der Welt ist. Energieexperte Klaus Illum warnt indessen vor übertriebenen Erwartungen, weil niemand genau wisse, wie viel Öl da wirklich liege. Und man wisse letztlich auch nicht, ob man da überhaupt brauchbares Öl hoch holen könne. „Die Schätzungen der Öl-Vorkommen in Grönland liegen bei einer bis 20 Milliarden Barrel. Aber wie gesagt: Sicher ist da gar nichts. Außer dass die Grönländer sich schon als DIE Öl-Nation schlechthin sehen“, so Illum.
Ehrgeizige Pläne
Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern gilt in Dänemark seit Jahren als Problem. Aus diesem Grund hat das Land mit einer umfangreichen Förderung der Windenergie begonnen. Die Pläne sind ehrgeizig: Bis zum Jahr 2030 sollen nach dem Willen des dänischen Umweltministeriums rund 50 Prozent des Stromverbrauchs über Windenergie gedeckt werden. Die Windparks sollen dabei auf die Nord- und Ostsee verteilt werden. Auch diese Projekte sind allerdings nicht unumstritten. Biologen sehen in den hohen Windrädern Gefahren für die Vogelwelt.
Die Sendung zum Thema
- Hören Sie auch unsere Sendungen "Treffpunkt Europa: Europäische Energiepolitik" vom 5. März 2010
- und "Treffpunkt Europa: Erneuerbare Energien" vom 22. März 2010
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