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Das mährische Amazonien ist bedroht

Umwelt

18.03.2010

von Maria Hammerich-Maier

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Auenwald in Südosten Tschechiens

Wegen ihrer enormern Ähnlichkeit mit den tropischen Regenwäldern nennt man die Auwälder im Süden des tschechischen Landesteils Mähren das "mährische Amazonien"

Foto: Hnuti Duha

Ungeachtet ihrer einzigartigen Lebensräume werden die südmährischen Auwälder intensiv bewirtschaftet. Das bleibt nicht ohne Folgen für Natur und Umwelt. Nun hat die tschechische staatliche Aufsichtsbehörde für Umweltschutz eingegriffen.

Im Südosten Tschechiens gibt es eine ökologisch besonders wertvolle Waldart, den Auwald. In Tschechien nennt man die Auwälder im Süden des Landesteils Mähren das "mährische Amazonien": Die urtümlichen, Jahrhunderte alten Wälder bedecken die Feuchtgebiete entlang von March und Thaya, den Grenzflüssen zu Österreich und der Slowakei. Die March-Thaya-Auen haben in der Tat manche Ähnlichkeit mit den tropischen Regenwäldern. Sie beherbergen eine außerordentliche Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten, produzieren viel Biomasse und halten bei Überschwemmungen das Wasser zurück. Entstanden sind die Auwälder schon im Mittelalter.

Ein Vogelreservat von europaweiter Bedeutung

150 Vogelarten nutzen die March-Thaya-Auen als Brutgebiet, viele andere besuchen sie auf dem Durchzug nach Süden oder überwintern in den Auwäldern. So zum Beispiel nistet der Weißstorch in den Baumkronen der Auen, und seltene Greifvögel, wie der Kaiseradler, haben hier ihre Brutplätze.

Doch nicht nur Vögel, auch Lurche und Kriechtiere, Insekten und nicht zuletzt viele Pflanzen finden in der üppigen Aulandschaft einen idealen Lebensraum vor – auch der Urzeitkrebs. Die March-Thaya-Auen sind eines der letzten europäischen Refugien dieses Vertreters einer seit mehreren Millionen Jahren existierenden Krebsart.

Ungeachtet ihrer einzigartigen Lebensräume, in der Fachsprache "Biotope" genannt, werden die südmährischen Auwälder jedoch intensiv bewirtschaftet, was ihre einzigartige Flora und Fauna bedroht. Darauf haben nun Umweltschützer und die zuständige tschechische Aufsichtsbehörde hingewiesen.

Ein erster Erfolg der Umweltschützer

Forstarbeiten in den Auwälder im Süden des tschechischen Landesteils Mähren

Die Zerstörung der Biotope in den mährischen Auenwäldern wird durch großflächigen Kahlschlag verursacht.

Foto: Maria Hammerich-Maier

Jaromír Bláha vom Umweltschutzbund "Hnutí Duha", zu Deutsch Regenbogen, erklärt, dass seine Vereinigung im vergangenen Jahr bei der Tschechischen Umweltinspektion eine Meldung gemacht hätte, weil sie anhand der bekannten Insektenart der Hirschkäfer nachweisen konnten, dass die derzeitige Art der Bewirtschaftung dessen Biotope zerstöre.

Die Zerstörung der Biotope, also der Lebensräume, wird durch großflächigen Kahlschlag verursacht. Dabei werden bis zu zwei Hektar große Flächen vollständig gerodet. Dann wird der Boden gepflügt, gefräst und mit Chemikalien behandelt. Baumstümpfe samt Wurzelstöcken sowie morsches und totes Fallholz werden dabei vollständig vernichtet.

Die Tschechische Umweltinspektion, die für die Kontrolle des Natur- und Umweltschutzes zuständig ist, reagierte auf die Meldung der Umweltschützer mit einer Entscheidung. Darin bestätigt die Behörde, dass die intensive Art der Bodenbearbeitung dem Hirschkäfer die Lebensgrundlage entziehe.

Doch außer dem Hirschkäfer seien auch andere Tier- und Pflanzenarten bedroht, sagt Direktorin Eva Tylová: "Auch Lurch- und Kriechtiere, wie etwa die Feuerkröte oder der Donaumolch, werden getötet. Und von den Pflanzen verschwinden auf diesen Flächen zum Beispiel die Knotenblume oder das Schneeglöckchen."

Manche der beeinträchtigten Arten stehen unter Naturschutz. Die derzeitige forstwirtschaftliche Praxis verstoße somit gegen internationale und tschechische Naturschutzbestimmungen, befand die Umweltinspektion und untersagte die schädlichen Techniken der Holzgewinnung.

Die Staatlichen Forstbetriebe geben Kontra

Über einen Erfolg können sich die Umweltschützer deswegen vorerst aber nicht freuen. Denn die Staatlichen Forstbetriebe, denen die südmährischen Auwälder gehören, fochten die Entscheidung der Behörde an. Sie sind der Ansicht, dass sie nichts falsch machen, betont Pressesprecher Zbyněk Boublík: "Unser Unternehmen kennt sämtliche Rechtsvorschriften des Umweltschutzes und wendet keine verbotenen Methoden an. Wir haben dennoch gegen die Entscheidung der Umweltinspektion Widerspruch eingelegt, weil wir überzeugt sind, dass die kritisierten Methoden bei richtiger Anwendung die Natur nicht schädigen und auch keine seltenen Insekten- und Pflanzenarten vernichten."

Das Verfahren geht also weiter. Aber dass die südmährischen Auwälder zur Natura 2000 - einem europäischen Netz besonderer Schutzgebiete - gehören, wird wahrscheinlich Einfluss auf die Entscheidung haben. Denn Verstöße gegen die strengen Auflagen der Natura-2000-Gebiete würden für Tschechien erhebliche Sanktionen nach sich ziehen.

 

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  • EU will Wälder vor Klimawandel schützen
  • Wald in Europa - Daten und Fakten
  • Hören Sie auch unsere Sendung "Treffpunkt Europa: Lebensraum Wald" vom 17. Februar 2010

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