Der Wald der Zukunft
Bayern sucht nach Lösungen für die Zukunft des Waldes
Foto: Andreas Hermsdorf/ pixelio.de
Überschwemmungen, Tornados und Taifune sind Folgen des Klimawandels. Die Natur leidet unter den klimatischen Änderungen und immer mehr Pflanzen und Tiere sind vom Aussterben bedroht. Um dem entgegen zu wirken, forschen Wissenschaftler an einem Wald für die Zukunft.
Seit Wochen schon schneit es in Bayern unentwegt. Die Temperaturen liegen unter null. Nichtsdestotrotz ist auch hier die globale Erwärmung in vollem Gange. Bäume spüren das viel eher und deutlicher als Menschen. Christian Kölling ist Experte im Bereich Stoffhaushalt der Wälder und Bodenchemie. Er arbeitet in der Bayerischen Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft. „Wir können jetzt schon beobachten, dass sich der Borkenkäfer in die Fichte frisst und im Wallis, in der Schweiz, ist die Pinie arg bedroht“, erklärt Kölling. „Im Holz haben sich viele Parasiten, Würmer und Insekten eingenistet. Ebenso in den Baumkronen. Es gibt große Schäden und den Bäumen geht es wirklich schlecht.“
Birken, Lärchen und Buchen werden die größten Probleme haben
In weniger als einem Jahrhundert werden die Temperaturen um mindestens zwei Grad ansteigen. Das klingt zunächst nicht viel. Doch Kölling sagt, dass sich Bayern bei einer Erwärmung von zwei Grad an das Klima von beispielsweise Frankreich und Ungarn annähert. Das alles gehe so schnell, dass Bäume gar nicht die Zeit dazu hätten sich anzupassen. Christian Kölling und seine Kollegen müssen nun herausfinden, welche Arten bald unter der Klimaerwärmung leiden.
„Bäume aus nördlichen Regionen - wie Birke, Lärche und Buche - werden die größten Schwierigkeiten haben. Sie sind schon am Ende ihrer Kräfte. Die Bäume aus Mitteleuropa haben bessere Chancen – wie Buche und Eiche. Sie halten die Wärme aus“, sagt Christian Kölling.
Monika Konnert ist die Leiterin des bayerischen Amtes für forstliche Saat- und Pflanzenzucht. Ihre Aufgabe ist es, im Labor die Ergebnisse von Christian Kölling zu analysieren. Beispielsweise untersucht sie, ob eine Pinie aus Südeuropa eine bayerische Kiefer ersetzen kann.
Genetische Manipulation kommt nicht in Frage
„Momentan testen wir Tannen, die seit 28 Jahren wachsen“, sagt Monika Konnert. „Wir haben festgestellt, dass die Karpatische Tanne aus Südrumänien gut wächst. Dahingegen hat die Tanne aus Kalabrien – Süditalien – den Frost nicht überlebt.“ Wie es auch sei, es stehe außer Frage alle bayerischen Bäume zu fällen, um sie durch Verwandte aus dem Süden zu ersetzen. Außerdem stehe es außer Frage, gentechnisch zu manipulieren, um die Bäume resistenter zu machen. „Was wir zu allererst brauchen, ist eine breite genetische Vielfalt in der Natur, so dass sie selbst entscheiden kann, wie und was sich am besten an das Klima anpassen kann“, so Konnert.
Die Forscher wollen mit ihren Empfehlungen natürlich nicht falsch liegen. Wenn in 80 oder 100 Jahren Bäume absterben werden, weil sie die Temperaturen nicht vertragen, wären die Folgen enorm. Der bayerische Minister für Land- und Forstwirtschaft Helmut Brunner meint dazu: „Der Wald ist nützlich und schützenswert. Einerseits liefert er wichtige Rohstoffe, andererseits ist er als Erholungsgebiet für Mensch, Tier und Pflanze äußerst nützlich. Außerdem bietet er allein in Bayern 200.000 Arbeitsplätze.” Um zu verhindern, dass Bayern dieses wichtige Gut verliert, spart die Regierung nicht an Mitteln. Jährlich stellt sie zwei Millionen Euro für die Forschung zur Verfügung, so dass der Wald der Zukunft bald Realität werden kann.
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