Korruption in der bulgarischen Forstwirtschaft
Um eine Skipiste zu bauen, wurden hunderte Hektar Wald in Bulgarien abgeholzt
Foto: Jordan Tersijski
Rund ein Drittel Bulgariens ist bewaldet. In Nationalparks und Schutzgebieten sind zahlreiche Tiere und Pflanzen heimisch. Für gierige Investoren und skrupellose Beamte ist der Wald jedoch nichts anderes als Holz und ein lukrativer Standort für schnelles Geld.
Allmählich lichtet sich der Nebel über den Wäldern des Rilagebirges. Es riecht nach geschlagenem Holz, Kiefernharz und Moos. Der diplomierte Forstwirt Jordan Tersijski kann sich keinen besseren Arbeitsplatz vorstellen. Als Privatförster kümmert er sich um die Bewirtschaftung und Verwaltung von Waldstücken in Gemeinde- und Privatbesitz. Oft sieht er bei seinen Rundgängen durch die Natur die zerstörerischen Auswirkungen gieriger Menschenhand. Als Mitglied der Vereinigung privater Förster „Bulprofor“ kämpft er gegen ein Problem, das seit der Jahrtausendwende zunehmend für Negativschlagzeilen sorgt.
„Eines der Hauptprobleme der letzten Jahre war der Bauboom in allen Seebädern und Winterkurorten des Landes. Dafür wurden nicht bewirtschaftete Waldstücke gegen hochwertige Wälder in Urlaubszentren getauscht“, erklärt der 49-Jährige. Diese Waldstücke wurden dann vollständig abgeholzt und Hotels wurden aus dem Boden gestampft. Die boomende Baubranche benötigte außerdem Unmengen Holz, das aus den Wäldern geholt wurde. „Man kann davon ausgehen, dass landesweit etwa 40 Prozent des Holzes illegal geschlagen wurde. Der Raubbau der letzten Jahre hat den Zustand der bulgarischen Wälder deutlich verschlechtert“, sagt Tersijski.
Die Hälfte der Bulgaren heizt mit Holz
Laut Angaben der Umweltschutzorganisation „Balkan Wildlife Funds“ wurde in den letzten zehn Jahren ein Drittel der bulgarischen Wälder abgeholzt oder fiel Bränden zum Opfer. Dabei wurden sehr wertvolle Wälder vernichtet. Die Hälfte davon für immer. Mit jährlich rund sieben Millionen Kubikmetern gehört Bulgarien zu den kleineren Holzproduzenten Europas. Ein Großteil des Rohstoffes ist für den Binnenmarkt bestimmt und wird vor allem in der Industrie oder als Brennstoff genutzt. Immerhin heizt die Hälfte der bulgarischen Haushalte mit Holz.
Momentan ist das Hauptproblem die enge Verflechtung zwischen Unternehmen und Kontrollpersonen. Es sei kein leichtes Unterfangen gegen diese Symbiose vorzugehen und manchmal recht gefährlich, meint Jordan Tersijski, denn 80 Prozent der Wälder seien Staatseigentum und würden unter starkem politischen Einfluss verwaltet und bewirtschaftet.
„In jedem Fall wissen diejenigen, die die Einhaltung der Gesetze kontrollieren, was im Wald abläuft. Das Hauptproblem unserer Nichtregierungsorganisationen war, die Behörden dazu zu bewegen, auch Akteure aus der Forstwirtschaft zur Verantwortung zu ziehen. Die Fortwirtschaft war in den letzten Jahren ein abgekapseltes System und deshalb war es sehr schwer, gegen die Korruption auf allen Ebenen vorzugehen“, erklärt Tersijski.
Seit einem halben Jahr hat Bulgarien eine neue Regierung. Diese verhängte unmittelbar nach Amtsantritt ein Zweckentfremdungsverbot für Waldstücke, wodurch Tauschgeschäfte nicht mehr lukrativ sind. Ferner wurden die ersten Ermittlungen wegen illegealen Holzschlags eingeleitet. Bleibt zu hoffen, dass die Regierung den eingeschlagenen Weg zu Ende geht und der Wald in Bulgarien erhalten bleibt.
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