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Multikulti aus Istanbul

Migration

20.03.2010

von Maria Rigoutsou

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Sayat Tekir und Sibil Cekmen

Sayat und Sibil gehören zu den Gründern des Radios

Foto: Maria Rigoutsou

„Nor Radyo“ bedeutet auf Armenisch Neues Radio. Es geht um ein Internet-Radio in Istanbul, das seit fast einem Jahr auf Türkisch, Armenisch, Kurdisch und Griechisch sendet.

Der 27-jährige Minas Vassiliadis sitzt zu Hause in Istanbul an seinem Computer und bereitet Beiträge für den Internet-Sender Nor Radyo vor. Das Ganze sei ein multikulturelles Projekt, wie Minas Vassiliadis sagt. Er selbst ist für zwei Programme verantwortlich. Das eine heißt „Die Töne der Stadt“ und widmet sich gesellschaftspolitischen Themen, die mit der griechischen Minderheit zu tun haben. Das andere trägt den Namen „Die Stimme des Fisches“, hierbei geht es um Tierschutz. „Nor Radio ist insgesamt eine internationale Stimme. Bei uns geht es um das Thema des Zusammenlebens. Wir wenden uns gegen Nationalismus und Diskriminierung. Das sind Prinzipien, an die wir uns hier halten“, sagt Minas.

 

Minas Vassiliadis selbst hat einen griechischen Pass. Seine Familiengeschichte ist von dem schwierigen Zusammenleben zwischen Griechen und Türken geprägt. Vassiliadis Eltern hatten ihr Leben lang in Istanbul als Teil der griechischen Minderheit gelebt. In den 70er Jahren wurde das Leben dort für sie jedoch immer schwieriger und sie gingen schließlich nach Griechenland. Dort wurde Minas geboren, wuchs dort auf und studierte Informatik. Als Erwachsener hatte Minas Vassiliadis den Wunsch, die türkische Heimat seiner Eltern kennen zu lernen und zog vor ein paar Jahren nach Istanbul.

 

Wer etwas ändern will darf keine Angst haben

 

Minas Vassiliadis am Computer

Minas betreut die griechischen Sendungen bei Nor Radyo

Foto: Maria Rigoutsou

Eine Gruppe Armenier brachte Nor Radyo 2007 auf den Weg. Nach dem Mord an dem armenischen Journalisten Hrant Dirk legte die Gruppe ihr Projekt jedoch erst einmal auf Eis. Zwei Jahre später ging es dann doch an den Start. Anfänglich sendete die Gruppe nur auf Armenisch, später kamen auch Türkisch, Kurdisch, Griechisch und Pontisch dazu - einer Sprache, die an der südlichen Schwarzmeerküste in der Türkei gesprochen wird. Einer der Gründer des Radios ist der 35-jährige Sayat Tekir. Er lässt sich durch den Mord an Hrant Dirk nicht einschüchtern. „Ich habe keine Angst. Andere wahrscheinlich schon. Aber wer etwas ändern will, darf keine Angst haben“, sagt er.

 

Die 26-jährige Sibil Cekmen ist armenischer Abstammung und ebenfalls Gründerin von Nor Radyo. Sie hat in Paris Film studiert und betreut bei dem Radio eine Sendung über Filmmusik auf Türkisch. Sie liebt vor allem den Kontakt mit den Zuhörern, die ihr über das Internet Feedback geben. Bei Nor Radyo müsse allerdings noch einiges verbessert werden, meint Sibil.

 

Denn die Schwierigkeiten begännen bereits damit, geeignete Mitarbeiter zu finden. Viele würden die Minderheiten-Sprache gar nicht richtig sprechen. Und ein richtiges Studio oder Büro hätten sie auch noch nicht. „Wir machen die Sendungen von zuhause aus. Damit das Archiv groß genug ist, gibt es einen Zentralrechner, auf den wir zugreifen können“, erklärt die 26-Jährige. „Ziel ist aber, dass wir in Zukunft ein eigenes Büro und auch ein eigenes Studio haben. Es ist nicht sehr professionell, auf der Bettkante im Schlafzimmer Interviews zu führen.“

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