Rassenhass in polnischen Fußballclubs
Einige polnische Fußballfans gehen mit der Vaterlandsliebe dann doch zu weit
Foto: Polnischer Rundfunk
Die Polen selbst beschreiben sich gerne als ein tolerantes und offenes Volk. Heute ist Polen ein national einheitlicher Staat. Ausländische Bürger fühlen sich an der Weichsel zwar wohl, gehören aber einer kleinen Minderheit an. Dennoch gibt es Orte, die sie meiden sollten.
Mihir Bose wollte sich selbst ein Bild von Polen machen: Der britische Journalist kam nach Warschau, um das Gastgeberland der Fußball-EM 2012 kennen zu lernen. Außerdem sollte er vor Ort ein paar kleinere Filme für seinen Heimatsender drehen. Mihir Bose ist in Großbritannien geboren, aber seine Eltern stammen aus Indien. Die indische Herkunft sieht man ihm an.
Bei den Dreharbeiten auf der Straße wurde er von einem Skinhead angesprochen. Dieser erklärte, ein Fan des Warschauer Fußball-Klubs „Legia Warszawa“ zu sein. Und der dunkelhäutige Journalist solle doch schnellstens in sein Heimatland zurückkehren - womit der Skinhead offensichtlich Indien meinte. Später berichtet Mihir Bose, dass der Skinhead ihn während des ganzen Gesprächs nicht einmal in die Augen geschaut hätte.
Rassismus findet in Fußballstadien statt
Während im polnischen Alltagsleben rassistisches Verhalten meistens nicht sehr offen zutage tritt, sieht das in den Fußballstadien des Landes anders aus. Hier findet Rassismus unverhohlen statt. Das ganze Milieu sei von Ressentiments gegenüber Ausländern geprägt, meint der polnische Sportjournalist Tomasz Burnos: „Ich erinnere mich noch sehr gut an einen Fall, als sich ein Spieler aus dem Senegal mit dem Schiedsrichter stritt. Das war bei einem Match der zweiten Liga. Der Senegalese beschwerte sich dabei über eine gelbe Karte. Einige Zuschauer bewarfen ihn daraufhin mit Bananen, Geldstücken und Schlüsselanhängern! Es gab sogar welche, die begannen Affenlaute zu imitieren.“ Vor allem in den unteren Ligen häufen sich solche Vorkommnisse.
Ein weiteres Beispiel: Als der Vorstand des zentralpolnischen Fußballklubs „Korona Kielce“ einen brasilianischen Spieler in die Mannschaft holen wollte, protestierte ein Teil der Fans. „Korona“ sei doch ein „weißer“ Klub. Schwarze sollten nicht in der Mannschaft spielen, hieß es.
Vorurteile entstehen durch eigene Komplexe
Das Gegenüber zu kategorisieren sei ein Teil der menschlichen Natur, meint der Sozialpsychologe Tomasz Łysakowski. Häufig werde dabei allerdings auch bewertet. Rassenvorurteile seien vor allem dann verbreitet, wenn eigene Komplexe verdrängt werden müssten.
„Vorurteile, die sich auf andere Rassen beziehen, gibt es meistens dann, wenn sich Menschen überlegen fühlen. Dann treten Vorurteile besonders deutlich zu Tage. Wenn zum Beispiel ein japanischer Spieler an einem Fußballspiel teilnehmen würde, käme es nicht zu rassistischen Äußerungen, weil man Japan mit Polen als gleichgestellt empfindet. Bei Vietnamesen sähe die Situation anders aus. Warum? Weil die meisten Vietnamesen in Polen als Gastarbeiter tätig sind. Und wir halten uns gegenüber Vietnamesen nicht zurück, weil sie aus unserer Sicht aus einem ärmeren Land kommen“, erklärt der Sozialpsychologe.
Der Chef des Warschauer Klubs „Legia Warszawa“ schätzt, dass bis zu zwanzig Prozent der Legia-Fans Rassisten seien. Wegen des brutalen Verhaltens der Fans darf der Klub außerhalb Polens nicht spielen. Der Klubvorstand erklärt, dass für die Fans Spieler mit einer anderen Hautfarbe immer noch inakzeptabel seien. Für den Klubvorstand ist das ein Problem.
In den Chefetagen der Fußballwelt äußert man sich besorgt über den Rassismus in polnischen Fußballstadien. Bis zur Europameisterschaft in zwei Jahren müsse das Problem gelöst sein, heißt es. Sportjournalist Tomasz Burnos sagt dazu: „Die europäischen Sportfunktionäre haben uns klar gemacht, dass wir vielleicht Probleme mit dem Bau der Stadien haben. Sie selbst sehen aber noch ein ganz anderes Problem - und zwar den Rassismus. Diesen dürfe es bei der Europameisterschaft nicht geben. Ansonsten müsse Polen mit sehr hohen Strafen rechnen.“ Laut Burnos seien die Offiziellen sogar - im Fall eines Falles - bereit, den gesamten Wettbewerb zu unterbrechen.


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