Schnelle Hilfe in Tschechien
Übung für den Ernstfall
Foto: Jan Kosatík/www.hzscr.cz
8000 Berufsfeuerwehrleute, tausende Freiwillige, dazu kommen Werksfeuerwehren und die Feuerwehrleute der Prager Verkehrsbetriebe und des Eisenbahnnetzes: Tschechien ist gut auf den Notfall vorbereitet. Das hat auch die EU bemerkt.
Wer in Tschechien die Telefonnummern 112 oder 150 wählt, ist in Not. Und ihm wird schnell geholfen: Nach durchschnittlich 4,6 Sekunden ist die Notruf-Verbindung hergestellt. Das ist ein absoluter Spitzenwert in Europa. Für diese Schnelligkeit ist die tschechische Berufsfeuerwehr 2009 von der Europäischen Kommission ausgezeichnet worden.
Schnelligkeit zählt im Notfall
3,5 Millionen Mal hat in einer der 14 tschechischen Feuerwehr-Notrufzentralen im vergangenen Jahr das Telefon geklingelt. Der Ablauf ist immer der gleiche: Nach dem ersten Läuten wird automatisch die Verbindung hergestellt, ohne dass einer der fünf Mitarbeiter in der Hauptfeuerwache in der Prager Innenstadt einen Knopf drücken muss. "Wenn jemand anruft, sehe ich sofort die Telefonnummer und den Netzbetreiber im Computer. Bei einem Festnetz-Anschluss erscheint auf einer Karte die genaue Adresse. Ruft jemand mit einem Handy an, sehen wir den Standort auf etwa 500 Meter genau", erklärt Feuerwehrmann Jan Karásek.
In der Prager Wache läuft alles über Computer: Karásek gibt in seinem PC die Daten des Anrufers ein und beschreibt, um was für einen Notfall es sich handelt. „Ich wähle dann hier im Computer aus, wer gebraucht wird: Feuerwehr, Polizei oder Rettungsdienst oder alle drei.“ Noch während Jan Karásek die Meldung eintippt, erhalten die einzelnen Einsatzorganisationen eine automatische Benachrichtigung.
Für alle Fälle gerüstet
Die vierzehn Feuerwehr-Notrufzentralen in Tschechien sind untereinander vernetzt: Fällt eine aus oder ist überlastet, wird der Anrufer automatisch an eine andere Zentrale weitergeleitet. Warteschleifen oder Besetztzeichen gebe es nicht, heißt es bei der Feuerwehr.
Die EU lobte nicht nur die Schnelligkeit der tschechischen Feuerwehr, sondern auch ihren Umgang mit ausländischen Anrufern. In allen Zentralen wird mindestens Deutsch und Englisch gesprochen, häufig auch Russisch und im Grenzgebiet Polnisch. Für Anrufer, die eine andere Sprache sprechen, finden die Mitarbeiter manchmal kreative Lösungen: "Kürzlich hat jemand den Notruf gewählt, der nur Französisch sprach. In der Prager Einsatzzentrale konnte niemand Französisch. Die Kollegen haben in unserem elektronischen Dienstplan gesehen, dass in Brünn ein französischsprachiger Kollege sitzt", erzählt Oberst Luděk Prudil von der Generaldirektion der tschechischen Berufsfeuerwehr. Der Anrufer wurde innerhalb weniger Sekunden weitergeleitet und der Feuerwehrmann in Brünn hat die Prager Polizei dann an den Einsatzort geschickt.
Eine Zentrale für alles
Dieses System soll nun noch optimiert werden. Die Leitstellen der einzelnen Einsatzorganisationen sollen beispielsweise technisch noch besser verbunden werden. In der Industriemetropole Ostrava im Nordosten des Landes arbeiten im Rahmen eines Pilotprojektes bereits Beamte der staatlichen und der städtischen Polizei, der Feuerwehr und des Rettungsdienstes in einer Einsatzzentrale zusammen. Das könnte das Konzept der Zukunft sein.
Die Sendung zum Thema
- Hören Sie mehr darüber, wie die Feuerwehren in Europa arbeiten, in der Sendung Treffpunkt Europa am 12.03.2010 .
Mehr Informationen auf Euranet
Mehr Informationen im Web
- Die EU informiert über die europaweite Notrufnummer 112
- Im Juni 2009 wurde die Feuerwehr ausgezeichnet: ein Artikel von Radio Prag
- Die Homepage der tschechischen Feuerwehr (tschechisch/englisch)


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