Technische Universität Prag – hier sind Gaststudenten willkommen
Robert Healy (r.) sorgt dafür, dass sich Gaststudent Nikolai Bauer (l.) wohl fühlt
Foto: Maria Hammerich-Maier
„Tschechische hohe technische Lehranstalt“ - so lautet die Bezeichnung der heutigen TU Prag schon seit ihrer Gründung und noch heute ist dies der offizielle Name. Eine Universität mit langer Geschichte und offenen Türen für Gaststudenten.
Gegründet wurde die TU Prag bereits vor über dreihundert Jahren. Prof. Václav Havlíček ist Rektor der größten Technischen Universität in Tschechien. Gründervater war ein deutschsprachiger Schlesier namens Christian Joseph Willenberg, erzählt Havlíček: „Christian Joseph Willenberg war ursprünglich Soldat. 1705 bat er den Kaiser von Österreich, in Prag eine Bauingenieurschule gründen zu dürfen, für den Festungsbau. 1718 begann er, die ersten 12 Studenten zu unterrichten.“
Heute hat die TU Prag rund 24.000 Studenten. Diese studieren an acht Fakultäten. Die größten sind diejenigen für Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und Maschinenbau. Die jüngste ist die Fakultät für Informationstechnologien. Sie ging erst im vergangenen Jahr in Betrieb.
Jährlich 600 Gaststudenten
Inzwischen hat die Uni auch international einen guten Ruf. Über 600 ausländische Gaststudenten kommen jedes Jahr an die TU Prag. Die meisten im Rahmen von EU-Programmen, wie Erasmus. In Prag gibt es die Kurse nicht nur auf Tschechisch. „Die Gaststudenten haben jedes Semester universitätsweit etwa 200 Lehrveranstaltungen zur Auswahl, die sie auf Englisch absolvieren können“, erklärt der Leiter der Außenabteilung Jan Požár.
Ein ehemaliger Englischdozent des British Councils sorgt dafür, dass das Englisch korrekt ist. Robert Healy heißt er und er arbeitet am Rektorat mit. „Ich bin sehr stolz auf alles, was die Universität für ihre Gaststudenten tut. Unser Internationaler Studentenclub hat schon Auszeichnungen bekommen für den umfassenden Service, den er bereitstellt“, sagt Healy.
Jeder Gaststudent bekommt zum Beispiel einen so genannten „Buddy“ an die Seite gestellt. Das ist ein tschechischer Student, der ihm hilft, sich in Prag zu orientieren. Sogar ein tschechisches Handy bekommen die Gaststudenten geliehen.
Prag bietet viele verschiedene Möglichkeiten
Der deutsche Nikolai Bauer ist seit dem Sommersemester in Prag und fühlt sich sehr wohl: „Ich komme von der Technischen Universität Hamburg-Harburg, wo ich Mechatronik studiere. Jetzt studiere ich hier an der Elektrotechnik-Fakultät. Es gefällt mir hier sehr gut. Was auf jeden Fall hier anders ist, ist einmal die Größe der Universität, und dass die Fakultäten sehr viel eigenständiger sind.“ Aus Hamburg kenne er das so nicht. Prag biete sehr viele Möglichkeiten. Einerseits gebe es viele historische Gebäude, andererseits sei auch das Nachtleben sehr interessant.
Aber auch die Prager Studenten zieht es ins Ausland. Allein in den deutschsprachigen Ländern gibt es rund zwanzig Partneruniversitäten. Organisiert werden die Auslandssemester von Jan Požárs Außenabteilung am Rektorat. „Am meisten interessieren sich unsere Studenten für Gastaufenthalte an der TU Berlin, der RWTH Aachen, der TU Dresden und der TU München. Doch wir haben auch mit einer Reihe weiterer Universitäten Austauschprogramme“, sagt Požár.
Lernen im schönen Ambiente
Das neue Herzstück der TU Prag ist die Technische Nationalbibliothek oder kurz „NTK“. Rund 80 Millionen Euro hat der hochmoderne Bau gekostet. In dieser Bibliothek befindet sich die größte Sammlung technischer und naturwissenschaftlicher Literatur in Tschechien. In ihr sind die Bestände von drei bisher selbstständigen Bibliotheken zusammengefasst – rund 1,5 Millionen Bände.
Die Bibliotheksbesucher können in einem ästhetisch ansprechenden Ambiente arbeiten. Der rumänische Künstler Dan Perjovschi hat den Innenraum gestaltet. Er fasste das ganze Gebäude als einen großen Skizzenblock auf und brachte hunderte von Zeichnungen an den Wänden an. Im Obersten Stock können die Bibliotheksbenutzer in Atrien ins Freie hinaus gehen – ein beeindruckender Bau.
Dass aus seinem Kurs in Festungsbau für 12 Studenten einmal eine so große technische Universität hervorgehen würde, das hätte sich Gründervater Christian Joseph Willenberg 1718 sicher nicht träumen lassen.
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