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Fleißig, engagiert und erfolgreich - junge serbische Filmemacher

Kultur

30.08.2009

von Jutta Schwengsbier

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Ein Mann hält eine Kamera auf der Schulter

Fleißig produzierten serbische Regisseure sogar während des Kriegs zahlreiche Filme

Foto: Michael Hirschka/ pixelio.de

Noch nimmt Westeuropa kaum wahr, dass sich in der Filmszene auf dem Balkan Aufregendes tut. Gemessen an den Preisen, die serbische Filmemacher in den letzten Jahren auf internationalen Festivals gewonnen haben, ist Serbien jedoch eine Film-Großmacht.

„Sie waren für zehn Jahre mein Fall. Ich bin Ihnen zehn Jahre lang gefolgt. Jeden Tag. Hier sind Ihre Reden, Ihre Geschichten und Begegnungen aufgeschrieben“, sagt der ehemalige Major der Staatssicherheit in dem preisgekrönten Film „Der Profi“. Er stellt sich dem Mann vor, den er jahrelang observiert hat.

 

Mehr als nur Film - eine Gegenkultur

„Der Profi“ spielt im Serbien der Nachkriegszeit. Der Geheimdienst hatte den regimekritischen Philosophieprofessor Teya Kry auf Schritt und Tritt überwacht. Und nicht nur das: Er hatte auch mehrmals versucht, ihn umzubringen und dafür gesorgt, dass Teya seinen Lehrauftrag an der Universität verlor. Eine Realsatire auf serbische Wirklichkeit.

Die Filmszene war schon immer die Keimzelle für eine regimekritische Gegenkultur, urteilt der serbische Jungregisseur Radivoje Andric. „Selbst das Milosevic Regime hat den Film und das Theater wenig beachtet. Im Gegensatz zu Printmedien und Fernsehen, die stark unter Druck standen, die gezwungen wurden, das geistige Leben zu vergiften“, meint Andric. Filmschaffenden sei es immer gelungen, sich dem Nationalismus zu entziehen.

 

Blick auf Belgrad

Die serbische Hauptstadt Belgrad

Foto: Europäische Kommission

Die serbische Geschichte als Ideenquelle früherer Filme

Mehr als 75 Filme haben serbische Filmemacher in den letzten Kriegsjahren und danach auf die Leinwand gebracht. Darunter ironisch-satirische Meisterwerke, vielfach preisgekrönt, die eine gequälte serbische Seelenlage entblößen.

Eine rosarote Periode Anfang der 1990er-Jahre blendete die Kriegsrealität zunächst völlig aus, propagierte wie der Film „Wir sind keine Engel“ eine Flucht aus der Realität. Erst 1995 zog mit „Schöne Dörfer brennen schön“ von Srdjan Dragojevic auch die Kriegsrealität ins Kino ein. 1997 kam dann mit „Rane“, zu deutsch „Wunden“, geradezu ein Opus gegen das Regime auf die Leinwände.

 

Junge Filmemacher, skurrile Protagonisten

Radivoje Andric ist nun einer der Stars einer neuen, jungen Generation von Regisseuren. Sie wollen nicht mehr die Schrecken des Krieges oder den alles erdrückenden Alltag thematisieren. Die Helden seines neuen Films, „Wenn ich erwachsen bin, werde ich Känguruh“ sind allesamt Verlierer der Gesellschaft. Die jugendlichen Tagträumer meistern ihr eintöniges Leben mit absurden Kapriolen.

„Ich mache Filme über und mit jungen Leuten. Was ich darstelle, ist die Generation X, eine verlorene Generation ohne Kindheit, ohne Gegenwart und ich befürchte, auch ohne Zukunft“, erklärt Andric. Diese Perspektivlosigkeit sei neben dem Tod eine der schlimmsten Kriegsfolgen in Serbien. Er versuche, die jungen Leute zu wecken und ihnen Hoffnung zu machen.

 

Kriegsaufarbeitung im Kino

Kamerawagen am Filmset

Gute Ausstattung für Filmemacher

Foto: Heike/ pixelio.de

Auch wenn im serbischen Film ironisch-satirische Darstellungen einer absurden Vergangenheit oder Slapstick-Komödien dominieren. Der Film des serbischen Regisseurs Srdan Golubovic „Klopka - die Falle“ stellt ganz klar die Frage nach eigener Schuld und Sühne.

In Golubovics Film bietet ein Mann einem anderen 30 000 Euro für einen Mord an. Der Mann, bis dahin ein unbescholtener Bürger, geht auf das Angebot ein – er braucht das Geld, um eine lebenswichtige Operation für seinen Sohn zu bezahlen. Am Ende des Films ist nichts so, wie es am Anfang erschien.

Golubovic wollte aber nicht nur eine Metapher für den Krieg finden, sondern auch jene Klischees ins Wanken bringen, die der westeuropäische Zuschauer über das Leben in Südosteuropa im Kopf haben könnte. „Ich wollte einen Film über einen normalen Menschen machen - einen guten Mann - und seine Verwandlung zum Teufel. Das spiegelt für mich die ganze Situation in Serbien wider“, sagt Golubovic. Es komme ihm auf die Frage der Schuld an und wie alle moralischen Werte verschwimmen. „Die Geschichte handelt von Schuld und Sühne. Das ist eine Frage, die die serbische Gesellschaft bewegen sollte“, so Golubovic.

 

Hören Sie diesen und weitere Berichte und Reportagen über Filmemacher in Europa in unserer Sendung Treffpunkt Europa am 29.08.2009 (mehr...)

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