Mit Bärenhunger auf der Lichtung
"Jeder Bär hat seinen eigenen Charakter"
Matzi55/pixelio.de
Auf einer Lichtung tief im Wald der rumänischen Zentralkarpaten treffen sich Braunbären zum Abendessen. Pünktlich zur Dämmerung holen sie das Essen ab, das ihnen die Förster auftischen – und im Hintergrund versteckt lauern Touristen mit Fotoapparaten.
Eine Stunde lang ist der kleine Bus mit den deutschen Touristen durch den dichten Wald gefahren. Ziel ist ein Hochsitz mit Blick auf eine Lichtung. Die Touristen wollen hier Bären sehen, die die Förster mit Ködern auf die Lichtung locken. "Hier im Gebiet leben etwa 20 Bären. Einige von denen kommen regelmäßig zur Dämmerung auf die Lichtung", sagt Tourismusunternehmerin Katharina.
Ein Festschmaus im Wald
Die Verhaltensregeln sind einfach: flüstern. "Der Bär riecht und hört exzellent", erklärt Förster Andrej Ciocan und scheucht seine Gruppe schnell auf den Hochsitz. Die Bären kommen seit Jahren zum Fressen auf diese Lichtung, allerdings nur, wenn sie keine Menschen hören oder riechen. Gefüttert werden sie von den Angestellten der staatlichen rumänischen Forstverwaltung Romsilva. Förster Andrej geht leise auf die Lichtung und kippt das Futter in den Trog.
Es dauert nicht lange, dann kommt der erste hungrige Bär aus dem Gebüsch. Er klettert auf den Trog, wirft mit einer lässigen Pfotenbewegung den Deckel herunter und steckt den Kopf hinein. Nach ein paar Minuten zieht er satt und zufrieden davon. "Jeder Bär hat seinen eigenen Charakter", erklärt Andrei Ciocan. Manche marschierten selbstbewusst direkt zum Futtertrog, andere schauten sich erst ängstlich um. Einige ließen sich beim Fressen leicht ablenken, andere brächte nichts aus der Ruhe.
Schauen statt jagen
Früher hat der Förster Jäger auf der Bärenjagd begleitet - heute zeigt er Touristen die Tiere. Die Jagd habe eine lange Tradition, sagt Katharina. Im Mittelalter habe jeder Baron in seinem Wappen einen Hirschen, einen Bären oder einen Wolf gehabt. Inzwischen ist Förster Ciocan froh, dass er die Bären zeigt, statt sie zu erschießen. "So ein Tier gehört in den Wald. Nicht der Bär jagt in unseren Gebieten, sondern wir Menschen jagen im Habitat des Bären", erklärt er.
35 Euro pro Person kostet der Ausflug zum Hochstand inklusive Busfahrt und Begleitung. Auf Dauer bringt das sogar mehr ein als die Jagd: Je nach Größe des Tieres, Farbe und Glanz des Fells kassiert die Forstverwaltung für den Abschuss eines Braunbären ab 7000 Euro. Jedes Jahr dürfen ein bis zwei der rund 25 Bären im Revier am Fuße des Nationalparks Königstein, Parcul National Piatra Craiului, geschossen werden. Die anderen Tiere sind nur zum Anschauen da.
Bei Gefahr: singen
Gefährlich seien die Bären "eigentlich nicht", sagt Förster Andrej Ciocan. Nur wenn sie Junge hätten oder ihre vergrabenen Nahrungsmittel in Gefahr sähen, griffen sie Menschen an. Zu so genannten "Unfällen" komme es meist nur, weil "die Menschen unvorsichtig sind". Wenn man im Wald einem Braunbären begegnen sollte, solle man ruhig bleiben, singen oder laut sprechen, aber nicht schreien, rät Ciocan. Dann werde der Bär gehen.
In den letzten Jahren haben einige freche Braunbären am Stadtrand von Braschov immer wieder Mülltonnen geplündert und die Bewohner der Vororte zu Tode erschreckt. Damit die Bären im Wald bleiben, werden sie nun dort gefüttert. Im Tal hat die Forstverwaltung Obstbäume für die Tiere gepflanzt. Damit sei die Gefahr gering, dass die Tiere Schafe oder Kühe rissen, sagt Tourismusunternehmerin Katharina. Denn die Bären hätten ja genug zu fressen.
Hören Sie mehr über eine Reise in die rumänischen Karpaten und über andere Reiseziele in dem Magazin "Reisen und Genießen" (mehr...) am 10.07.2009.


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