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Tropfen auf dem heißen Stein: Ökostrom in Frankreich

Umwelt

13.07.2009

von Siegfried Forster

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Ökostrom muss sich als Alternative noch durchsetzen

Stéphanie Lacomblez

Frankreich hat seit der Marktöffnung im Stromsektor eine Art duales System: einen offenen Markt und einen Markt, in dem Strom weiterhin zu staatlich festgelegten Preisen an die Kunden verkauft wird. Ökostrom-Anbieter können da kaum mithalten.

Niedrige Preise sind nicht die einzige Hürde, die die alternativen Stromanbieter überwinden müssen. Denn die klassischen Unternehmen profitieren steuerlich davon, dass sie den "grünen" Strom weiterleiten: So ist das staatliche Unternehmen EDF verpflichtet, Festpreise für die Weiterleitung jeder Kilowattstunde zu berechnen. Und diesen Festpreis kann das Unternehmen später steuerlich geltend machen. Der Atomstrom wird mit dem Bau eines neuen Reaktors gefördert. Anfang des Jahres gab die Regierung den Bau eines zweiten Reaktors in Auftrag.

Die Franzosen selbst sind von Atomstrom nicht besonders begeistert. Rund 80 Prozent befürworten Umfragen zufolge erneuerbare Energien. Nur wenn es um den Wechsel geht, scheint es ihnen schwer zu fallen: Nur 0,01 Prozent der Haushalte beziehen tatsächlich Ökostrom. Praktisch sind 98 Prozent aller Haushalte weiterhin Stromkunden bei Electricité de France (EDF).

 

Marktführer EDF ist "übermachtig"

Die EDF ist in Frankreich weitaus mehr als nur ein Unternehmen, es ist eine Institution: Vielen dient die Stromrechnung von EDF selbst in Geschäften oder bei Behörden als Ausweis, womit sie ihre Identität nachweisen können. Jeder zweite Franzose weiss nicht einmal, dass er seinen Stromanbieter wechseln kann. Ein Konkurrenzkampf den auch ein Ökostrom-Unternehmen wie Enercoop kaum gewinnen kann.

Trotzdem ist Unternehmenschef Patrick Behm erstaunlich optimistisch: "Heute haben wir 3200 Verbraucher und wir wollen bis 2011 mindestens 10.000 Kunden erreichen. Dann können wir wirtschaftlich arbeiten." Sein Unternehmen habe eine Mission, es solle Kunden dazu bewegen, möglichst rational mit ihrem Strom umzugehen, so Behm. Das gelte natürlich auch für das Unternehmen.

 

Es geht nicht nur um das Geld

Das Logo für den "grünen" Strom

Stéphanie Lacomblez

Enercoop scheint von A bis Z ein Projekt von Überzeugungstätern zu sein. Sie kooperieren mit Betreiber von Windkraft- und Solaranlagen, Umweltverbände wie Greenpeace oder WWF und die Biokette Biocoop. Der Strom wird direkt von den Ökostrom-Erzeugern an die Verbraucher weiter verkauft – ohne Zwischenhändler oder den Umwegweg über Institutionen, die Umweltzertifikate vergeben.

Die meisten Kunden sind selbst engagiert und haben sich ganz bewusst für den teureren Öko-Strom entschieden. Denn Atomstrom ist nirgendwo in Europa so günstig wie in Frankreich. Der Ökostromkunde muss da ganz schön tief in die Tasche greifen, erklärt Behm: "Unser Preis für Ökostrom liegt auf dem gleichen Niveau wie in den anderen Ländern in Europa, für einen durchschnittlichen Haushalt entstehen so monatliche Mehrkosten von ungefähr zehn Euro."

 

Alternative Wirtschaftsmodelle als Chance

Trotz Atomstrom zum Tiefpreis und Wirtschaftskrise sieht Patrick Brehm eine Chance für sein Unternehmen: "Ich denke, für den gesamten alternativen Sektor ist das eine Gelegenheit, seine Vorzüge gegenüber einem klassischen Wirtschaftsmodell zu zeigen, das an seine Grenzen stößt." Und er setzt auch weiterhin auf überzeugte Kunden, die für "grünen Strom" gerne tiefer in die Tasche greifen.

 

 

Lesen Sie mehr zum Thema:

  • In Schweden hat eine Eigentümergemeinschaft Anteile an einem Windrad gekauft (mehr...) - das ist günstiger und umweltfreundlich.
  • In Frankreich dagegen steckt Ökostrom noch in den Kinderschuhen (mehr...) .

Informieren Sie sich:

  • Erfahren Sie hier mehr zum Thema erneuerbare Energien (...mehr)
  • Zur Homepage zum Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (...mehr)
  • Hintergrundinformation und Energieforum (...mehr)

 

Hören Sie diesen Beitrag und weitere Informationen zum Thema erneuerbare Energien im Magzin "Umwelt und Verbraucher" am 13.07.2009.

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