Abrupter Stopp in der tschechischen Solarenergie
Die Solarenergie hat in Tschechien in letzter Zeit einen extremen Boom erlebt. Allein im vergangenen Jahr stieg die gesamte Leistungskraft der Fotovoltaikanlagen um 800 Prozent. Doch nun hat die gesamte Branche einen harten Rückschlag erlitten.
In Tschechien wurden in der Vergangenheit immer mehr Solaranlagen gebaut. Bis der Leiter der Netzaufsichtsbehörde ČEPS im Januar fast vom Stuhl kippte: Anlagen mit einer Gesamtleistung von über 8.000 Megawatt waren genehmigt worden. Das ist das Vierfache der Leistung des Atomkraftwerks Temelín. Eine Sprecherin von ČEPS erläutert die Gründe: "Falls dieser Umfang an Solarenergie tatsächlich ans Netz geht, dann bedroht dies den Betrieb des Stromnetzes in der Tschechischen Republik."
Die Behörde befürchtet, dass das Netz den starken Leistungsschwankungen, denen Sonnen- und Windkraft unterliegen, nicht standhalten könne. Doch Umweltverbände werfen auch den Netzhütern Versäumnisse vor. "ČEPS hat genauso wie wir bereits vor sieben Jahren gewusst, in welchem Tempo die Zahl von Solar- und Windkraftanlagen hier in Tschechien zunehmen wird. Sie hätten das Netz schon längst darauf vorbereiten können, wie es die Kollegen in Deutschland, Dänemark, Spanien oder anderen Ländern getan haben", ärgert sich Vojtěch Kotecký von Hnutí Duha (Bewegung Regenbogen), einem der einflussreichsten tschechischen Umweltverbände.
Bei der Einspeisevergütung liegt der Haken
Die drei tschechischen Netzbetreiber lehnen seit Anfang Februar alle neuen Einspeiseanträge für Solaranlagen oder Windkraftwerke ab. Dieser Stopp kann frühestens zu Beginn kommenden Jahres wieder aufgehoben werden, doch nur falls dann bereits das neue Gesetz über die Einspeisevergütung von Öko-Strom in Kraft tritt. Denn genau bei der Einspeisevergütung liegt der Haken "In Deutschland gibt es fünf Preisstufen. Der Unterschied zwischen einem Herrn Meier, der eine Fotovoltaik-Anlage auf seinem Dach baut, und dem Preis für einen Großinvestor liegt bei bis zu 40 Prozent. In der Tschechischen Republik beträgt dieser Unterschied nicht einmal einen Prozent - seit drei Jahren", erklärt Marie Funke, Geschäftsführerin einer Firma, die Solarmodule für Privatkunden installiert.
Großinvestoren wurden also genauso stark subventioniert wie Privatleute, mit dem Erfolg, dass jede Menge Solarparks entstanden. Der Privatbürger mit seiner Anlage auf dem Dach, trug indes nur mit einem Prozent Strom bei. Beim Genehmigungsstopp der Netzbetreiber wird der Fehler jedoch wiederholt und Privatleute werden genauso behandelt wie Großinvestoren. Während in Deutschland kleine Anlagen automatisch genehmigt werden, wird in Tschechien kein Unterschied gemacht. Vertreter der Fotovoltaik-Branche haben versucht zu erreichen, dass wenigstens kleine Anlagen mit bis zu 200 kWp wieder zugelassen werden, doch Netzbetreiber und Netzaufsicht bleiben bei ihrer Position. Während der einfache „Häuslebauer“ vielleicht mit dem Bau einer Solaranlage noch warten kann, wird es einige der Unternehmen wahrscheinlich härter treffen. "Sollte es jetzt aber nicht zu einer festen und eindeutigen Regulierung zugunsten der Haushalte kommen, dann müssten wir die Firma zumachen. Das ist die einfache Antwort", befürchtet Marie Funke.
Die Sendung zum Thema
- Hören Sie auch unsere Sendung "Treffpunkt Europa: Erneuerbare Energien" vom 22. März 2010
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