Sprechen oder schweigen?
Die Muttersprache zu bewahren, ist wichtig – gerade, wenn es eine Minderheitensprache ist. In Rumänien sind die Ungarn darin erfolgreich: Kindergärten und Schulen unterrichten in ihrer Muttersprache. Beim Berufsstart hapert es dann. Bei der Minderheit der Roma sogar schon vorher.
Ob in den Hörsälen einiger Universitäten oder im Sandkasten im Kindergarten: Die ungarische Minderheit in Rumänien darf und kann überall Ungarisch sprechen. Sie hat Vertreter im Parlament und in der Landesregierung, es gibt Theaterstücke und Opern, Bücher und Zeitungen - alles in ungarischer Sprache.
Wer aber nur seine Muttersprache lerne und nicht die Landessprache, entdecke später, wenn er einen Arbeitsplatz suche, dass das vielleicht eine Sackgasse gewesen sei, sagt Karen Attila, ein armenisch-ungarischer Schauspieler und Talk-Show Moderator. "Ich kenne sehr viele, denen es so ergangen ist. Sie konnten das, was sie während ihres Studiums gemacht haben, nicht fortsetzen", so Attila. Er arbeite seit Jahren und spreche nur noch Rumänisch. "Einmal, an einer Straßenecke, hat mir ein rumänischer Ungar gesagt, ich sei ein Volksverräter. Ich habe mich gefragt, über welches Volk er redet. Ich war damals sehr traurig", erzählt Attila, aber zum Glück gebe es immer seltener Personen, die solche Kritik äußerten.
Roma wollen mitreden – in Romanes
Auch die Roma sind eine wichtige Minderheit in Rumänien, die ihre eigene Sprache hat. In Rumänien sollen offiziell 500.000 Roma leben, Schätzungen gehen aber von mehr als zwei Millionen aus. Sie haben dafür gekämpft, dass sie in den Schulen Klassen mit Unterricht in Romanes bekommen. Der rumänische Staat hat diese Forderung akzeptiert. Das Problem sei aber, dass es kaum Lehrer gebe, die in Romanes unterrichten könnten, sagt der Roma Gabor Lajos.
"Ich will, dass mein Kind Romanes lernt, aber nicht von Lehrern, die das im Internet oder aus dem Wörterbuch kennen, sondern von Roma", betont Laios. Er meint, dass in ganz Europa zwischen 40 bis 50 Millionen Roma leben. Offizielle Schätzungen gehen von etwa zwölf Millionen aus. In jedem Fall "sprechen wir nicht mehr über einen Stamm, sondern über ein Volk. Ich wünsche mir, dass diese Sprache offiziell unter den Sprachen Europas eingetragen wird", sagt Laios.
Muss sich die Mehrheit der Minderheit anpassen?
Obwohl die Roma nicht genügend Lehrkräfte haben, sind Studienplätze an Hochschulen für sie reserviert. Regelmäßig taucht dieser Umstand in den Medien auf:.Einige Rumänen fühlen sich davon "angegriffen", wie Ioan Petre. "Was in unserem Land geschieht, ist eine Schande", beschwert sich Petre. Am Silvesterabend habe er im Fernsehen nur Roma gesehen und ihre Lieder, die sogenannten Manele, gehört.
"Als Rumäne ist es für mich nicht normal, dass mich die Beamten in der Post gar nicht anschauen, weil ich sie auf Rumänisch mit ’Guten Tag’ grüße statt auf Ungarisch." Es sei nicht normal, wenn die Mehrheit sich der Minderheit anpassen müsse. "Wir sollen nicht vergessen, dass die offizielle Sprache eines Staates sehr bedeutend ist. Die Minderheiten sollen ihre Sprache zu Hause sprechen", meint Petre.
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