Briten gelten als Meister der Klischees
Im Vereinigten Königreich werden Vorurteile groß geschrieben, wie Soziologen wissen. Engländer, Waliser, Schotten und Iren: Jeder bekommt sein Fett ab. Viele Klischees haben dabei ihre Wurzeln in der Geschichte der Nation.
Die Waliser seien verdammt gute Sänger, aber auch hinterhältig. Das sagen viele Engländer. Die Waliser ihrerseits kontern: Die Engländer schauten mit einer kolonialen Überlegenheit auf die Menschen hinab, die sie einst erobert hätten. In den Stammkneipen in den einzelnen Landesteilen erhält das Thema rund um Klischees und Vorurteile schnell Schärfe. So zum Beispiel in einem Pub in Wales. Dort erklärte eine Frau dem Reporter: "Die Leute hier hassen die Engländer. Und sie würden sagen aus gutem Grunde. Denn die Engländer haben sie vor langer Zeit nach Wales abgedrängt. Deswegen sind sie immer noch verbittert."
Nicht nur in Wales empfindet man die Engländer auch heute noch als Eroberer. Auch in Schottland und Irland gibt es diese Gefühle. Tatsächlich bildet die Geschichte der englischen Expansion die Grundlage für viele der Klischees, die es heute auf der Insel gibt. Man findet sie sogar in Kinderliedern. Zum Beispiel im "Taffy-Lied": "Taffy war ein Waliser, Taffy war ein Dieb. Taffy kam in mein Haus und stahl ein Stück Fleisch."
Waliser wehren sich gegen schlechte Klischees
Adam Pryce, ein walisischer Parlamentsabgeordneter der walisisch-nationalistischen 'Plaid Cymru' Partei, betont, dass solche Klischees sehr verletzend seien. Möglicherweise ginge das Klischee auf die Zeiten zurück, als die Waliser als erobertes Volk findig sein mussten, um wirtschaftlich zu überleben. Allerdings gebe es auch positive Klischees, sagt der Politiker. Zum Beispiel dass die Waliser bessere Liebhaber sein sollen als die Engländer.
Stereotype können sich allerdings auch ändern. Das berichtet zum Beispiel Jim McAuley aus Belfast. Als er Mitte der 80er Jahre erstmals nach England kam, habe es dort jede Menge negativer Klischees über Iren gegeben. Dem sei heute nicht mehr so. Mit River Dance, U2 und Bono habe auch das Irische als solches einen besseren Klang in England erhalten.
Prozess der nationalen Einigung dauert an
Chris Bryant, Professor für Soziologie an der Universität von Salford, weist darauf hin, dass die gängige Annahme zwar sei, dass die Engländer im Königreich die dominierende Gruppe stellten. Ihm selbst falle aber vor allem auf, mit welchen starken Vorurteilen sich die Schotten umgäben. So dürfe in Schottland niemand sagen, er sei englisch UND britisch. "Die Schotten werden sagen 'Du bist Englisch. Du magst denken, dass du Britisch bist, aber das ist Teil deines falschen Bewusstseins.' Ich finde, das ist eine äußerst arrogante Einstellung", sagt Chris Bryant.
Seit 200 Jahren ist das Königreich Großbritannien eine Nation. Der Prozess, eine eigene nationale Identität zu entwickeln, dauere allerdings immer noch an, wie Soziologen sagen. Das sei leicht an den Vorurteilen zu sehen, die landesweit in großer Anzahl die Zeiten überdauert haben.
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