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Legale Immigration

Der „keltische Tiger“ verliert seine Anziehungskraft – EU-Arbeitsmigranten in Irland

Migration

10.11.2008

von Susanne Henn

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Wir brauchen Immigranten - aber wie?

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  • Der „keltische Tiger“ verliert seine Anziehungskraft – EU-Arbeitsmigranten in Irland
  • Abschrecken und anlocken: Wie die EU in Mali Auswanderung steuern will
  • Neuer Migrationspakt soll die EU-Einwanderungspolitik steuern
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Irland, Großbritannien und Schweden haben 2004 den Arbeitsmarkt für Bürger der zehn neuen EU-Staaten geöffnet – und der Zustrom aus Osteuropa war enorm. Vom ehemaligen Auswandererland wurde die grüne Insel zum Einwandererland. Grund dafür waren der wirtschaftliche Aufschwung und der Bauboom. Doch die guten Zeiten sind vorbei: Irland befindet sich in der Rezession. Was bedeutet das für die EU-Arbeitsmigranten?

Baulärm im Dubliner Hafenviertel, auf den ersten Blick wirkt alles wie immer. Zwei mehrstöckige Bürogebäude im Rohbau, Betonmischer und viele Bauarbeiter mit Schutzhelmen und Sicherheitswesten. "Zutritt verboten" steht an der Absperrung.

 

"Die meisten Arbeitskräfte auf der Baustelle kommen aus Osteuropa. Das hat sich erst in den letzten sechs Monaten vermindert“, erzählt ein irischer Mitarbeiter der Baufirma. Viele Leute gingen einfach zurück nach Hause, wenn sie ihre Arbeit hier beendet hätten, wenn ihr Vertrag auslaufe. Der Grund sei ganz offensichtlich: Es gebe nicht genügend Arbeit. Viele Firmen gingen pleite und stellten nicht mehr ein.

 

Wir können überall hin

 

Die Bauarbeiter hier scheint das noch nicht direkt zu betreffen. Ein paar Schritte weiter ruft ein Vorarbeiter Thomas aus Litauen und Vaclav aus Polen heran. Die beiden sind ein gutes Beispiel für die aktuellen irischen Statistiken. Die besagen, dass EU-Arbeitsmigranten meist männlich, jung und osteuropäisch sind - und dass sie lediglich ein paar Jahre in Irland bleiben wollen.

 

Noch möchten Thomas und Vaclav Irland aber nicht verlassen. "Wir werden noch einige Jahre bleiben. Wenn die Arbeit in der Zukunft schlecht laufen sollte, dann schauen wir uns nach etwas Neuem um. Die meisten Freunde bleiben, aber andere gehen zurück", sagt Thomas. Auch sein Kollege Vaclav will in Irland bleiben: "Manche Jungs sind wegen der Arbeit weggegangen, aber das ist ihre Entscheidung. Wenn sie gehen wollen, dann können sie gehen. Wir sind in der EU. Wir können überall hingehen. Aber ich mag Dublin, Irland ist toll."

 

Die meisten kommen aus den neuen EU-Staaten

 

Im Gebäudekomplex gegenüber hat das Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung seinen Sitz. Alan Barrett koordiniert dort die Abteilung Migrationsforschung. Im Jahr 2002 habe der nicht-irische Teil der Bevölkerung noch 6 Prozent ausgemacht, sagt er. Aber dabei sei es nicht geblieben: "Bei der Erhebung von 2006 lag der Anteil bei 10 Prozent. Also hatten wir eine Zunahme von vier Prozentpunkten unserer ausländischen Bevölkerung in einer Periode von vier Jahren.“ Historisch und international sei das noch nie vorgekommen. Und die große Masse dieser Menschen stamme aus den neuen Staaten der Europäischen Union, sagt Barrett.

 

Immigranten sind wichtige Arbeitskräfte

 

Das Wirtschaftswachstum zog zu Zeiten des "Keltischen Tigers" die Migranten an. Doch dieses rasche Wirtschaftswachstum ist nun vorbei. Irland fiel als erstes der Euro-Länder in eine Rezession. Im Jahreszeitraum bis April 2008 kamen zwar immer noch 83.000 Immigranten, aber das sind 26.000 weniger als im Jahr davor. Insbesondere der Zustrom aus Osteuropa ebbte ab. Im Moment zieht es viele eher nach London, wo es wegen der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele viele Jobs gibt.

 

Trotzdem sind Immigranten weiterhin ein wichtiger Teil der Arbeitskräfte in Irland, meint Alan Barrett: "Sie machen 13 Prozent der Erwerbstätigen aus. Demnach sind sie ein sehr, sehr signifikanter Teil der Arbeitskräfte.“ Viele von ihnen seien im Baugewerbe tätig, aber auch im Bereich Hotels und Restaurants seien Immigranten überrepräsentiert. „Ich denke, jeder der schon mal Irland besucht hat, hat bemerkt, dass man heutzutage selten eine irische Kellnerin oder einen irischen Barmann sieht", sagt er.

 

Viele gehen - es gibt keine Arbeit

 

Das gilt auch für den „Chaplin's“-Pub in der Dubliner Innenstadt. Der polnische Club im Obergeschoss ist verschlossen, das Licht ist aus, die Stühle hochgeklappt. Aber im Erdgeschoss steht Magda aus Polen hinter dem Tresen. Sie sieht müde aus. Gestern ist der polnische Club für immer geschlossen worden und einige wenige Gäste haben bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Magda war nicht überrascht, dass der Pub nun schließt. Es gebe nicht viele polnische Menschen in Irland, sagt sie. „Weil es hier keine Arbeit gibt, deswegen."

 

Im irischen Teil des "Chaplin's" sitzt Daniel, Busfahrer bei der Stadt Dublin. Eigentlich kommt er aus Danzig und ist einer von geschätzt mindestens 200.000 Polen in Irland. " Die letzten Jahre waren gut hier, aber es kann ja nicht immer alles gut sein. Mein Heimatland holt auf. Deshalb kehren alle zurück um einen guten Job zu bekommen, um sich niederzulassen", erzählt er.

 

Spätestens in einem halben Jahr will auch Daniel Irland verlassen und zurück nach Polen ziehen: "Es ist zwar eine gute Erfahrung hier zu sein, aber dein Zuhause bleibt dein Zuhause.“

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