Legale Immigration
Patrick Taran: Europa braucht die Zuwanderer
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Patrick Taran von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Interview mit EURANET. Die ILO ist einer Behörde der Vereinten Nationen in Genf. Patrick Taran ist verantwortlich für Migrationspolitik in Afrika.
EURANET: Herr Taran, braucht Europa eigentlich Einwanderer aus Afrika? Was soll das Ziel eines Beratungszentrums in Mali sein?
Patrick Taran: Nach unseren Erkenntnissen braucht Europa die Zuwanderung von Arbeitskräften. In Italien zum Beispiel wird die Bevölkerung bis zum Jahr 2050 um ein Viertel abnehmen. In anderen Ländern ist die Geburtenrate bei 1,2 Kindern pro Frau. Das ist weit unter der Rate, die für eine stabile Bevölkerungszahl notwendig wäre.
Das Beratungszentrum in Mali scheint ein erster positiver Schritt zu sein, um mögliche Migranten mit Informationen zu versorgen. Auf der einen Seiten gibt es eine erhebliche Nachfrage nach Arbeitskräften in Europa, auf der anderen Seite gibt es in Afrika und sonst wo in der Welt ein großes Angebot an Arbeitskräften. Die Frage ist jetzt, wie man diese beiden Seiten besser miteinander verbindet. Wie kann man Barrieren und Beschränkungen abbauen, die die Menschen heute dazu treiben, illegal nach Europa einzuwandern? Sie wollen die Jobs und die Arbeitgeber brauchen sie.
Die Europäische Union braucht sowohl gut ausgebildete Arbeitnehmer als auch weniger gut ausgebildete Arbeitskräfte. Inwieweit wird die EU die Berufsausbildung unterstützen, zum Beispiel auch in Mali?
Ich denke, das Migrationszentrum, die Europäische Union und die UN-Arbeitsorganisation sind dabei, Trainingsstätten einzurichten. Die spanische Regierung unterstützt zum Beispiel die Internationale Arbeitsorganisation ILO bei der Einrichtung von Ausbildungsstätten, um Einwanderer auf den spanischen Arbeitsmarkt vorzubereiten. Andere Regierungen wollen das gleiche tun.
Wie kann das Zentrum ganz praktisch dazu beitragen, die legale Einwanderung nach Europa zu fördern?
Zunächst einmal sollte darüber informiert werden, wie die legalen Wege für Migration überhaupt aussehen. Wie sehen die Einwanderungskriterien für bestimmte Länder aus? Zumindest könnte man den Menschen Hinweise geben, wo und wie sie Arbeitsangebote finden können. Das Zentrum bietet momentan nicht die Verbindung zwischen den Einwanderungswilligen und den tatsächlichen Jobangeboten an. Aber diejenigen, die eine Arbeitsstelle in Aussicht haben, können sich wenigstens informieren, was sie als nächstes tun müssen.
Das Zentrum kann aber auch lokalen Behörden sagen, wie man die Einwanderer legal zuziehen lässt, damit sie eben nicht einfach mit Booten übers Mittelmeer kommen.
Boote über das Mittelmeer ist ein gutes Stichwort: Mali ist ein Land ohne Zugang zum Meer. Warum wurde das Migrationszentrum gerade dort angesiedelt?
Mali liegt in der Mitte einiger Migrationsrouten aus Zentral- und Westafrika durch die Sahelzone in Länder wie Marokko, Algerien oder Tunesien. Diese Länder wiederum liegen an der Küste. Und dort versuchen Menschen, die nichts über legale Einwanderung wissen, per Boot über das Mittelmeer oder den Atlantik europäisches Territorium zu erreichen.
Wie kann man messen, ob dieses Migrationszentrum tatsächlich Erfolg haben wird?
Das ist schwierig, solange die Vermittlung von Information nicht auch mit der konkreten Arbeitsvermittlung verbunden ist. Mit der wachsenden Information kann man darauf hoffen, dass zumindest einige Menschen sich um legale Einwanderung bemühen und nicht mehr auf illegale Wege einlassen, weil sie es jetzt einfach besser wissen.
Was die illegale Migration betrifft: Es bleibt doch die Aufgabe, das Leben der Menschen so zu erleichtern, dass der Druck auszuwandern, geringer wird. Was unternimmt die Europäische Union in dem Bereich?
Dies ein Ziel der Entwicklungspolitik nicht nur der EU-Mitgliedsstaaten, sondern auch von ECHO ist, der Entwicklungshilfeagentur der Europäischen Union. Wir sind sicher auch dabei, Migration als einen Schritt anzusehen, für den man sich entscheidet und in den man nicht gezwungen wird. Ziel ist es auch, Arbeit für alle anzubieten, die in ihren Heimatländern bleiben wollen. Oder für fast alle - es wird immer eine gewisse Mobilität der Arbeitssuchenden geben müssen.
Das Interview führte Helen Seeny.


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