11. Dezember – Probelauf für Massenproteste
Mark Rodden, Euranet-Korrespondent in Kopenhagen, berichtet über das alltägliche Leben der Journalisten auf der Konferenz, heimliche Shopper, noch gut gelaunte Polizisten und "Klima-Realisten".
Morgen wird die größte Protestaktion zur UN-Klimakonferenz in Kopenhagen stattfinden. Es werden bis zu 60.000 Menschen vor dem "Bella Center", dem Kongresszentrum des COP-15, erwartet. Aber auch schon heute hatten sich 500 Demonstranten im Stadtkern versammelt - man hätte fast den Eindruck gewinnen können, dass sie der Polizei die Möglichkeit einräumen wollten, in einer Art Generalprobe die genauen Abläufe für morgen zu üben.
Die versprengten 500 hatten sich gegen zehn Uhr versammelt, doch schon um elf Uhr war der Spuk vorbei. Die Einheimischen in der Fußgängerzone in Strøget waren (fast) wieder unter sich. Denn nur unter uns – der ein oder andere Konferenzteilnehmer war ohne Zweifel auf der Suche nach passenden Weihnachtsgeschenken für die Familie daheim.
So blieben die Polizisten gut gelaunt und tauschten sich laut lachend mit den Passanten aus. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sie diese Haltung morgen beibehalten werden, wenn, dem Thema der Stunde entsprechend, die Atmosphäre wohl ein wenig hitziger sein wird.
Gemütliches Reporterleben
Die öffentlichen Verkehrsmittel in Kopenhagen sind so gut organisiert, dass die Abfahrtszeiten der Bussen und Bahnen in Halb-Minuten-Schritten angezeigt werden. Also schwangen wir Journalisten uns in eben jene Vehikel und kehrten bald in das Bella Center zurück.
Hier verbringen wir Reporter etwas weltvergessen den Großteil des Tages vor unseren Computern. Da die meisten Pressekonferenzen inzwischen als Webcasts gesendet werden, gibt fast keinen Grund mehr, den Arbeitsplatz vor dem Bildschirm zu verlassen. Nur Hunger oder Durst treiben einem aus dem Sessel, und natürlich der gelegentliche Gang zur Toilette.
Am Scheideweg
Einer dieser Pressekonferenzen per Webcast war die der Afrika-Gruppe, auf der sich Dr. Victor Fodeke, Leiter der Klimaschutzabteilung im nigerischen Umweltministerium, bemüßigt fühlte, noch einmal darauf hinzuweisen, dass die Afrikaner nicht aus "Gaudi" nach Dänemark gereist seien.
Der Doktor, offensichtlich großer Freund einer sehr bildhaften Sprache, führte aus, dass die Welt sich heute an einem Scheideweg befinde. "Der Weg zum Erfolg ist immer im Aufbau begriffen", sagte er. "Wenn eine Straße in sehr unwegsamem Gelände liegt und noch Felsen entfernt werden müssen - as beansprucht Zeit. Und ich glaube, wir sind immer noch dort und machen Fortschritte."
Klima-Realisten oder -Leugner?
Eines ist aber sicher: Nach seiner Pressekonferenz ist Dr. Fodeke garantiert nicht aufgesprungen und zur Rede von Professor Fred Singer von der "University of Virginia" und Lord Christopher Monckton, dem einmaligen wissenschaftlichen Berater der britischen Premierministerin Margaret Thatcher, geeilt.
Diese Rede halten die beiden auf einer gesonderten Konferenz für "Klima-Realisten" - oder, wie manche sie nennen, Leugner -, auf der die Auswirkungen der globalen Erwärmung bestritten werden.




