Junge Väter in Polen: Die neuen Helden
Er ist der neue Superheld Polens. Statt die Welt zu retten, ist er jedoch dauernd unausgeschlafen. Anstelle von hochmoderner Elektronik ist er stets von Windeln und Babymilch umgeben. Der junge polnische Vater.
Die Zeiten, in denen der Vater mit einer Zeitung auf der Couch saß und zwischen Politik- und Sportteil kurz aufschaute und sein Kind fragte, in der wievielten Klasse es eigentlich sei, gehören auch in Polen langsam der Vergangenheit an.
Neue Familienstrukturen
Eine neue Rollenverteilung wird in den polnischen Familien immer sichtbarer. Die Frauen wollen sich neben dem Familienleben auch beruflich weiter entwickeln. Zugleich versuchen die Väter aktiv an der Erziehung ihrer Kinder teilzunehmen.
Den Wandel in der Familienstruktur bringt der Journalist und Buchautor Tomasz Kwasniewski auf den Punkt. In seinem neusten Buch beschreibt der zweifache Vater die oft schwierigen und stressigen Erfahrungen aus dem Alltag eines modernen polnischen Vaters. berichtet:
“In meinem Buch taucht der Gedanke auf, dass Kinder die Welt völlig verändern“, so Kwasniewski, „zugleich sind sie auch das, was dem Mann hilft, sich weiter zu entwickeln, zu einem so genannten erfahrenen Mann zu avancieren.“
Veränderte Rollenbilder
Die Feststellung, dass junge Väter oft keine Angst mehr vor dem Windeln haben und gerne Zeit mit ihrem Kind verbringen, bestätigt auch die Journalistin Monika Goral, selbst Mutter eines vierjährigen Kindes. Die Polen von heute seien aber in einer bequemeren Situation als ihre Väter, meint Goral:
“Unsere Eltern haben in einer völlig anderen Welt gelebt. Heute haben die Väter viel mehr Möglichkeiten. Sie haben einen anderen Zugang zu Kindern. Sie dürfen die Kinder umarmen, mit ihnen spielen. Unsere Väter, habe ich das Gefühl, haben sich dazu gezwungen gefühlt, eine gewisse Distanz zu behalten. Es war damals selbstverständlich, dass die Erziehung der Kinder Frauensache ist.“
Heute sind solche Einstellungen überholt. Zumindest für den Informatiker Krzysztof Borowski. Der 30-Jährige ist soeben Vater geworden.
“Ganz sicher hat der Mann auch etwas zu sagen bei der Erziehung. Das liegt jetzt voll im Trend. Außerdem weiß ich aus der eigenen Erfahrung, dass es ein wunderbares Gefühl ist, zuzusehen, wie sich der Kleine entwickelt, mit ihm zu spielen, die Windeln zu wechseln, und vieles mehr.“
Kinder als Lebenssinn
In seinem Buch gibt der Journalist Kwasniewski zu, dass er von seinen Kindern abhängig ist. Eigentlich könne er sich nur noch über zwei Themen unterhalten: über seine Frau und seine Kinder. Laut Monika Goral ist Tomek Kwasniewski kein Einzelfall:
“Ich sehe jetzt viele junge Männer, die im siebenten Himmel sind, wenn sie über das Vatersein sprechen. Und sie erfüllen diese Aufgabe auch sehr gut. Manchmal wird das Kind sogar zum wichtigsten, wenn nicht zum einzigen Sinn des Lebens.“
Allem Anschein nach haben wir in Polen mit der Geburt eines neuen Superhelden zu tun, der keine Angst vor schmutzigen Windeln hat. Es bleibt die Frage, ob der Staat das Erwachen der jungen Väter registriert und mit entsprechenden rechtlichen Lösungen, wie zum Beispiel dem Vaterschaftsurlaub, zu weiteren Heldentaten anspornt.




